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MIT EINEM SCHLAG
Die kurze Periode der Perkussionszündung

Anfang des 19. Jahrhunderts experimentierte man Vielerorts mit chemischen Verbindungen, die sich durch einen heftigen Schlag entzünden ließen. Einem Pfarrer aus Aberdeenshire in Schottland, Alexander Forsyth, wird für das Jahr 1805 der erste entscheidende Durchbruch zugesprochen, oft sogar die Erfindung der Perkussionszündung. Zwar ist das so nicht ganz richtig, Forsyths Zündsystem konnte sich trotz der Ausstellung eines Patents im Jahr 1807 nicht durchsetzen. Außerdem hat der Alchimist Kunkel von Löwenstern in den 1790er Jahren erstmals Fulminat (Knallquecksilber) isoliert, der Engländer E. Howard beschreibt 1799 erstmals dessen Herstellung aus Quecksilber, Ethanol und Salpetersäure. Diese Fakten machen deutlich, dass massives Interesse an einer Verbesserung der zu dieser Zeit gängigen Feuerwaffen mit Steinschloss-Zündung bestand.

Ganz besonders das Militär hatte großes Interesse an einem neuen, wetterunabhängig funktionierenen Zündsystem für Handfeuerwaffen. Denn während Waldäufer, Trapper, sowie natürlich auch europäische Jäger Spezialisten im Umgang mit ihren Gewehren waren, die selbst bei Regen ihre Steinschloss Büchsen abzufeuern wussten, war dies der Masse der einfachen Soldaten nicht möglich. Schlachten konnten somit nur bei trockenem Wetter geschlagen werden, was den Heerführern in aller Welt keineswegs genehm war.


klassisches Steinschloß

Nach verschiedensten Experimenten entwickelte man gegen 1820 das sogenannte Fulminat-Zündkäppchen. Eine kleine Menge hochexplosiven Knallquecksilbers wurde in einen kleinen, etwa 6mm durchmessenden Becher aus Hartzinn oder Kupfer gefüllt, und mit Schellack versiegelt um wasserdicht zu sein. Ein harter Schlag auf den Boden des Zündhütchens entzündete die Pulvermischung in einem heftigen Feuerstrahl.

Diese Eigenschaft nutzten Büchsenmacher zur Entwicklung des Perkussions-Schlosses genützt. Dabei griffen sie weitgehend auf die Bauweise des Steinschlosses zurück, was nicht nur bequem war, sondern auch den billigen Umbau vorhandener Waffen auf die neue Technologie ermöglichte. Die Pulverpfanne des Steinschlosses wurde abgeschliffen oder abgesägt, ein neuer Hammer - nun Hahn genannt - ersetzte die alte Form mit der Klemmhalterung für den Feuerstein. Batterie und Batteriefeder entfernte man, gegebenenfalls verlötete man noch die Bohrlöcher der Befestigungsschrauben. Das Zündloch wurde aufgebohrt, ein Gewinde gebohrt und eine Zündtrommel eingesetzt. In diese schraubet man ein Piston, auf welches die Zündhütchen gesteckt wurden. Derartig umgebaute Steinschlösse weisen deutliche Spuren dieser Überarbeitung auf, weshalb die umgebauten Gewehre leicht als ehemalige Steinschloss-Waffen zu identifizieren sind.


Zur Perkussions-Zündung konvertiertes Steinschloss

Insbesonder bei Militärwaffen verzichtete man gerne auf die Verwendung einer Perkussionstrommel. Stattdessen wurde das Zündloch verlötet, das Gewinde für das Piston direkt in den Lauf gebohrt, sowie ein dazu passend geformter Hahn verbaut.

Die US-Army übernahm die Perkussions-Zündung offiziell erst 1841 mit der Beschaffung der "Mississippi-Rifle". Tatsächlich wurden allerdings viele der vorhandenen Steinschloss-Musketen auf Perkussions-Zündung konvertiert. Bei Zivilisten setzte sich die Perkussion-Zündung langsamer durch. Trapper und Waldläufer hätten sich durch die Verwendung von Perkussions-Gewehren von Händlern abhängig gemacht, die ihnen Zündkäppchen liefern konnten. Bei der immer noch spärlich ausgeprägten Infrastruktur im "Wilden Westen" bevorzugten sie Steinschloss-Waffen. Feuersteine ließen sich in der freien Natur finden, und ein erfahrener Schütze konnte sie die richtige Form bringen.

Innovativ denkende Büchsenmacher aber hatten im Jahr 1840 die Zeichen der Zeit längst erkannt. Die Ära der noblen, individuell gefertigten Longrifle war längst vorbei, die Zeit der Massenproduktion angebrochen. Die Jagd auf Grizzlybären und Bisons verlangte großkalibrige, schwere Gewehre, was für die Schützen, die nun zu Pferd und nicht mehr zu Fuß unterwegs waren, kein Problem mehr bedeutete. Den bereits 1836 entstandenen Perkussions-Trommelgewehre von Samuel Colt war zwar kein wirtschaftlicher Erfolg beschieden, die herausragenden Büchsenmacher dieser Ära, wie die Brüder Samuel & Jake Hawken in Saint Louis, Henry E. Leman in Lancaster oder John und Caleb Vincent in Ohio begannen aber nun ebenfalls, in ihren Gewehren Perkussions-Schlosse zu verbauen, und verbreiteten diese damit auch in weiten Kreisen der Jäger, Waldläufer und Trapper, ja selbst unter den Indianern. Und die reichen Sonntagsjäger im Osten schätzen das neue, "sauberere" Zündsystem ohnehin.

In der hektischen Zeit der 1840er und 1850er Jahre entstanden auch innovative Abarten des Perkussions-Schlosses. Seitenhammer-Gewehre, im Amerikanischen als "Mule-Ear Rifles" bezeichnet, sollten den Hahn aus dem Gesichtsfeld des Schützen bringen, und so ein sichereres Zielen ermöglichen. Allerdings wird diesen Waffen nachgesagt, dass dieses Vorteil mit einem seitlichen Impuls im Augenblick der Zündung erkauft wird. Was wohl zu den Legenden zu zählen ist, die geringfügige Erschütterung spielt kaum eine Rolle.

Erfolgreicher als "Mule-Ears" waren Unterhammer-Gewehre. Der ausserhalb des Sichtbereichs liegende Hahn, des von unten erfolgende Zündimpuls, der simple, preisgünstige Aufbau sowie die einfache Handhabung machte diese Waffe nicht zuletzt auch bei Sport- und Präzisionsschützen bis in die Gegenwart beliebt.

Trotz aller Vorteile sollte die Ära der Perkussions-Waffen im Vergleich zur 200Jahre währenden Geschichte der Steinschloss-Zündung nur wenige Jahrzehnte andauern. Die Technik des Zündhütchens war mit dem Zünden der Treibladung einer Vorderlader-Waffe noch lange nicht ausgereizt, sie führte letztendlich direkt zur Entwicklung von Metallpatronen, und in Folge zur Entwicklung moderner Hinterlader-Schusswaffen.

MIT EINEM SCHLAG
Die kurze Periode der Perkussionszündung

Anfang des 19. Jahrhunderts experimentierte man Vielerorts mit chemischen Verbindungen, die sich durch einen heftigen Schlag entzünden ließen. Einem Pfarrer aus Aberdeenshire in Schottland, Alexander Forsyth, wird für das Jahr 1805 der erste entscheidende Durchbruch zugesprochen, oft sogar die Erfindung der Perkussionszündung. Zwar ist das so nicht ganz richtig, Forsyths Zündsystem konnte sich trotz der Ausstellung eines Patents im Jahr 1807 nicht durchsetzen. Außerdem hat der Alchimist Kunkel von Löwenstern in den 1790er Jahren erstmals Fulminat (Knallquecksilber) isoliert, der Engländer E. Howard beschreibt 1799 erstmals dessen Herstellung aus Quecksilber, Ethanol und Salpetersäure. Diese Fakten machen deutlich, dass massives Interesse an einer Verbesserung der zu dieser Zeit gängigen Feuerwaffen mit Steinschloss-Zündung bestand.

Ganz besonders das Militär hatte großes Interesse an einem neuen, wetterunabhängig funktionierenen Zündsystem für Handfeuerwaffen. Denn während Waldäufer, Trapper, sowie natürlich auch europäische Jäger Spezialisten im Umgang mit ihren Gewehren waren, die selbst bei Regen ihre Steinschloss Büchsen abzufeuern wussten, war dies der Masse der einfachen Soldaten nicht möglich. Schlachten konnten somit nur bei trockenem Wetter geschlagen werden, was den Heerführern in aller Welt keineswegs genehm war.


klassisches Steinschloß

Nach verschiedensten Experimenten entwickelte man gegen 1820 das sogenannte Fulminat-Zündkäppchen. Eine kleine Menge hochexplosiven Knallquecksilbers wurde in einen kleinen, etwa 6mm durchmessenden Becher aus Hartzinn oder Kupfer gefüllt, und mit Schellack versiegelt um wasserdicht zu sein. Ein harter Schlag auf den Boden des Zündhütchens entzündete die Pulvermischung in einem heftigen Feuerstrahl.

Diese Eigenschaft nutzten Büchsenmacher zur Entwicklung des Perkussions-Schlosses genützt. Dabei griffen sie weitgehend auf die Bauweise des Steinschlosses zurück, was nicht nur bequem war, sondern auch den billigen Umbau vorhandener Waffen auf die neue Technologie ermöglichte. Die Pulverpfanne des Steinschlosses wurde abgeschliffen oder abgesägt, ein neuer Hammer - nun Hahn genannt - ersetzte die alte Form mit der Klemmhalterung für den Feuerstein. Batterie und Batteriefeder entfernte man, gegebenenfalls verlötete man noch die Bohrlöcher der Befestigungsschrauben. Das Zündloch wurde aufgebohrt, ein Gewinde gebohrt und eine Zündtrommel eingesetzt. In diese schraubet man ein Piston, auf welches die Zündhütchen gesteckt wurden. Derartig umgebaute Steinschlösse weisen deutliche Spuren dieser Überarbeitung auf, weshalb die umgebauten Gewehre leicht als ehemalige Steinschloss-Waffen zu identifizieren sind.


Zur Perkussions-Zündung konvertiertes Steinschloss

Insbesonder bei Militärwaffen verzichtete man gerne auf die Verwendung einer Perkussionstrommel. Stattdessen wurde das Zündloch verlötet, das Gewinde für das Piston direkt in den Lauf gebohrt, sowie ein dazu passend geformter Hahn verbaut.

Die US-Army übernahm die Perkussions-Zündung offiziell erst 1841 mit der Beschaffung der "Mississippi-Rifle". Tatsächlich wurden allerdings viele der vorhandenen Steinschloss-Musketen auf Perkussions-Zündung konvertiert. Bei Zivilisten setzte sich die Perkussion-Zündung langsamer durch. Trapper und Waldläufer hätten sich durch die Verwendung von Perkussions-Gewehren von Händlern abhängig gemacht, die ihnen Zündkäppchen liefern konnten. Bei der immer noch spärlich ausgeprägten Infrastruktur im "Wilden Westen" bevorzugten sie Steinschloss-Waffen. Feuersteine ließen sich in der freien Natur finden, und ein erfahrener Schütze konnte sie die richtige Form bringen.

Innovativ denkende Büchsenmacher aber hatten im Jahr 1840 die Zeichen der Zeit längst erkannt. Die Ära der noblen, individuell gefertigten Longrifle war längst vorbei, die Zeit der Massenproduktion angebrochen. Die Jagd auf Grizzlybären und Bisons verlangte großkalibrige, schwere Gewehre, was für die Schützen, die nun zu Pferd und nicht mehr zu Fuß unterwegs waren, kein Problem mehr bedeutete. Den bereits 1836 entstandenen Perkussions-Trommelgewehre von Samuel Colt war zwar kein wirtschaftlicher Erfolg beschieden, die herausragenden Büchsenmacher dieser Ära, wie die Brüder Samuel & Jake Hawken in Saint Louis, Henry E. Leman in Lancaster oder John und Caleb Vincent in Ohio begannen aber nun ebenfalls, in ihren Gewehren Perkussions-Schlosse zu verbauen, und verbreiteten diese damit auch in weiten Kreisen der Jäger, Waldläufer und Trapper, ja selbst unter den Indianern. Und die reichen Sonntagsjäger im Osten schätzen das neue, "sauberere" Zündsystem ohnehin.

In der hektischen Zeit der 1840er und 1850er Jahre entstanden auch innovative Abarten des Perkussions-Schlosses. Seitenhammer-Gewehre, im Amerikanischen als "Mule-Ear Rifles" bezeichnet, sollten den Hahn aus dem Gesichtsfeld des Schützen bringen, und so ein sichereres Zielen ermöglichen. Allerdings wird diesen Waffen nachgesagt, dass dieses Vorteil mit einem seitlichen Impuls im Augenblick der Zündung erkauft wird. Was wohl zu den Legenden zu zählen ist, die geringfügige Erschütterung spielt kaum eine Rolle.

Erfolgreicher als "Mule-Ears" waren Unterhammer-Gewehre. Der ausserhalb des Sichtbereichs liegende Hahn, des von unten erfolgende Zündimpuls, der simple, preisgünstige Aufbau sowie die einfache Handhabung machte diese Waffe nicht zuletzt auch bei Sport- und Präzisionsschützen bis in die Gegenwart beliebt.

Trotz aller Vorteile sollte die Ära der Perkussions-Waffen im Vergleich zur 200Jahre währenden Geschichte der Steinschloss-Zündung nur wenige Jahrzehnte andauern. Die Technik des Zündhütchens war mit dem Zünden der Treibladung einer Vorderlader-Waffe noch lange nicht ausgereizt, sie führte letztendlich direkt zur Entwicklung von Metallpatronen, und in Folge zur Entwicklung moderner Hinterlader-Schusswaffen.

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